Geschichte der Grube Carl-Alexander

1899

Erste Erkundungsbohrungen im Raum Baesweiler, u.a. bei Gut Hoverhof, Gut Blaustein, Gut Merberen lassen ausreichende Kohlevorkommen erwarten.


1906

Der EBV verkauft seine Abbaurechte im Raum Baesweiler-Geilenkirchen an die neu gegründete „Gewerkschaft Carl-Alexander“. Die französischen Werke in Longwy und die deutsche Unternehmerfamilie Röchling mit Werken in Völklingen wollen damit den Energiebedarf für ihre Stahlwerke sichern.


1908 beginnt man mit dem Abteufen von 2 Schächten. Es folgt der rasche Ausbau der oberirdischen Anlagen mit Maschinenhaus und Kesselanlage. Auch eine Grubenbahn Richtung Alsdorf-Herzogenrath wird in Angriff genommen. Bis 1914 entstehen die ersten Bergarbeitersiedlungen in der Carlstraße und an der Jülicher Straße. Aber das Abteufen stößt auf unerwartet große Schwierigkeiten durch Schwimmsandeinlagerungen und hohen Gebirgsdruck.

 

Bis Kriegsbeginn ist erst die Hälfte der vorgesehenen Tiefe von 650 m erreicht. Während des 1. Weltkrieges fehlt es dann an Arbeitskräften. 70 russische Kriegsgefangene können die fehlenden Facharbeiter nicht ersetzen. Aber 1919 ist Schacht II förderfähig und liefert erstmals 787 t Kohle. Das reicht noch nicht aus, um den Eigenbedarf an Energie zu decken, Kohle aus Alsdorf wird vom EBV hinzugekauft.

1919



1920

Nach Fertigstellung von Schacht I steigt die Förderung der Kohle steil an. Für den weiteren Ausbau werden Arbeiter angeworben, es folgt ein starker Zustrom von Arbeitern aus allen Gegenden Deutschlands. Allein 179 Flüchtlinge aus Elsass-Lothringen finden Arbeit auf der Zeche. Ein Bergmann verdient durchschnittlich 51 RM monatlich. Das reicht kaum, um die großen Familien zu ernähren. Mit wilden, kurzen Streiks wehren sich die Arbeiter gegen eine weitere Absenkung ihrer Löhne bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeitsintensität.


Das Grubenunglück in Alsdorf am 31.10.1930 mit 271 toten Bergleuten führt auf Carl-Alexander zu wilden Streiks mit dem Ziel, die Grubensicherheit zu erhöhen. Beteiligte Bergleute werden fristlos entlassen und erhalten keine Unterstützung. Sowjetrussland wirbt für die Arbeit in Gruben des Donez-Kohlebeckens. Über 100 Bergarbeiter mit ihren Familien folgen dem Ruf.


Bei den Betriebsratswahlen 1931 haben die Christlichen Bergarbeiter mit 6 Sitzen die absolute Mehrheit, die NSDAP 1, die KPD 3 und die Freien Gewerkschaften 1 Sitz. Entlassungen und Freischichten verstärken die Notlage vieler Bergleute. NSDAP und KPD verstärken ihre Propagandatätigkeit auch im Betrieb.


Seit 1914 liefert die Zeche den Strom für die Gemeinde. 1932 übernimmt den Vertrag die Braunkohlen-Industrie AG mit dem Kraftwerk Zukunft in Eschweiler.

1932


1933

Bei der Neuwahl des Betriebsrats nach der Machtergreifung Hitlers behalten die Christlichen Bergarbeiter weiter die Mehrheit. Mit dem „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“ 1934 übernimmt die NS-Betriebs-organisation aber mit ihren Anhängern praktisch die alleinige Vertretung der Arbeiter.


Zunächst ist der Kohleabsatz weiter schwierig, Entlassungen werden durch vermehrte Freischichten verhindert. Durch politisch gelenkte Wirtschaftspläne (Vorbereitung auf den Krieg) steigt der Bedarf an Kohleenergie. Die geförderte Kohle der Grube eignet sich besonders gut für die Kokserzeugung.

 

1936 beginnt eine neu errichtete Kokerei mit 10 Öfen die Produktion, sie wird bis 1944 auf 50 Öfen erweitert.


Schon vor Kriegsbeginn im Sept. 1939 herrscht Vollbeschäftigung. Arbeitskräfte werden aus den Niederlanden angeworben, während des Krieges werden sie dienstverpflichtet, dazu noch Zivilarbeiter aus Frankreich und Belgien. Ab 1942 werden bis zu 1500 russische Kriegsgefangene eingesetzt.

 

1943 ist die III. Sohle als Fördersohle bei 850 m Teufe fertig, die Förderung steigt auf 615.000 t.
Im Oktober 1944 liegt die Zeche kurze Zeit still, die Amerikaner besetzen die Grube.

1944


1945

Schon im September 1945 beginnt aber wieder die Kohleförderung. Die technische Ausstattung wird in den Folgejahren erneuert und dadurch die Förderung erheblich bis über 1 Mio. Tonnen gesteigert. Öl- und Gasimporte und die Konkurrenz auf dem Weltmarkt bringen den Energieträger in die Krise. 1964 wird die Stilllegung für Carl-Alexander beantragt. Der EBV übernimmt 1965 die Grube und die Beschäftigten.


Nachfolgende Rationalisierungsmaßnahmen führen 1969 u.a. zur Stilllegung der Kokerei. 1974 wird ein Verbindungsschacht mit der Grube Emil Mayrisch fertig gestellt. Die Schließung der Grube Carl-Alexander ist eingeleitet: ein Verbund mit der Nachbarzeche.

1974



1975

30. September 1975: offizielle Schließung der Grube. Von den 1700 Beschäftigten sind 440 mit Sozialplan ausgeschieden, die übrigen arbeiten auf den Gruben Emil Mayrisch und Anna weiter. Die Schächte der Grube Carl-Alexander werden noch eine Zeit lang weiter als Wetterschächte für die genannten Gruben benutzt. Mit der Schließung der Zechen Emil Mayrisch 1992 und Sophia Jakoba 1997 in Hückelhoven ist der Steinkohlenbergbau im ganzen Wurmrevier beendet.


2016

Auf dem ehemaligen Zechengelände steht heute nur noch das Werkstattgebäude. Eine unscheinbare kleine rote Haube aus Stahlblech zeigt uns den Standort von Schacht II an, sie ist gleichzeitig eine Pegelmessstelle für den Grubenwasseranstieg.


Inzwischen sind auf dem Zechengelände und im neu geschaffenen Gewerbegebiet (its) der Stadt Baesweiler mehr als 4.100 „Ersatzarbeitsplätze“ durch neu angesiedelte mittelständischen Betrieben geschaffen worden.

 

pe2016