Wanderung Westwallweg

2. September 2018

Die „Wanderung Westwallweg“ führte von Simmerath über die Paustenbacher Höhe und hinunter ins Kalltal. Das Wetter spielte mit, die Teilnehmenden hatten eine schöne gemeinsame Zeit und konnten an markanten Punkten den historischen Ausführungen von Vereinsmitglied Herbert Palm folgen. Seine zahlreichen Informationen an den Relikten dieser riesigen während des Nationalsozialismus erbauten militärischen Anlage im Westen Deutschlands veranschaulichten nachvollziehbar diesen größten staatlich organisierten Arbeitseinsatz, der jemals auf deutschem Boden durchgeführt worden ist. Nachfolgend stichwortartig einige Punkte zur Baumaßnahme Westwall, die die Dimensionen verdeutlichen:

 

- Entwicklung und Bau von 1936 – 1940.

- Gesamtlänge mehr als 600 Kilometer von Kleve am Niederrhein bis zur Schweizer Grenze.

- Kosten ca. 3,5 Mrd. Reichsmark (1938 war das Deutsche Reich faktisch bankrott).

- Zeitweise bis zu 500.000 Beschäftigte.

- Unterbringung der Arbeiter in Notunterkünften unter teils katastrophalen Bedingungen.

- 12-Stunden-Schichten und 7-Tage-Woche bei körperlich sehr harter und gefährlicher Arbeit.

- Daraus resultierende Streiks und Arbeitsniederlegungen wurden scharf sanktioniert.

- Überführung „unkooperativer Arbeiter“ in SS-Sonderlager.

- Allein im damals noch sehr kleinen Baesweiler (ca. 7.500 Einwohner) gab es 19 Quartiere mit Platz für ca. 1.200 Arbeiter.

- U. a. wurde der Saal Dautzenberg am heutigen Reyplatz (damals Breite Straße/Adolf-Hitler-Straße) ausgeräumt und als Quartier für Arbeiter hergerichtet.

- Die damaligen Landkreise Aachen und Geilenkirchen entwickelten sich zu einer riesigen Großbaustelle.

- Tag und Nacht transportierten Lkw Kies, Zement und andere Baumaterialien.

- Die damaligen für derartige Belastungen nicht ausgelegten Straßen und Wege nahmen enormen Schaden.

- Zahlreiche Landwirte und andere Grundstückseigentümer wurden für den Bau der einzelnen militärischen Stellungen enteignet.

- Mit dem Bau des Westwalls setzte sich bei der Bevölkerung im Westen Deutschlands sukzessive die Erkenntnis durch, dass ein großer Krieg bevorsteht.

- Die daraus entstehende Unruhe führte zu massiven Abhebungen von Einlagen bei den Sparkassen und Banken.

- Dazu eine Aussage eines Zeitzeugen: „Wir Kinder haben damals nicht kapiert, wozu das sein sollte, aber die älteren Leute hatten schon den schlimmen Verdacht, dass das wieder auf Krieg zu ging.“

 

Auch auf diesem Wege viele Grüße an alle, die dabei waren.

 

Günter Pesler

Geschichtsverein Baesweiler e. V.

Historische Aufnahme des Eifelkreuzes auf der Paustenbacher Höhe.