Geschichtsverein Baesweiler auf dem Weihnachtsmarkt am Reyplatz

14. - 17. Dezember 2017


Geschichte verstehen - Zukunft gestalten, 2. Themenwochenende

17. und 18. November 2017


7. Tag der Genealogie in der Burg Baesweiler

15. Oktober 2017, 10:00 - 17:00 Uhr


Kooperationsveranstaltung von Geschichtsverein Baesweiler und NABU Kreisverband Aachen-Land

13. Oktober 2017, 14:00 - 17:00 Uhr


„Geschichte verstehen - Zukunft gestalten“,  1. Themenwochenende

29. und 30. September 2017

Nun liegt das erste Themenwochenende der Veranstaltungsreihe „Geschichte verstehen - Zukunft gestalten“ bereits hinter uns. Das Projektteam möchte sich bei allen Besuchern für Ihr Interesse bedanken. Dank auch an den Baesweiler Bürgermeister Dr. Willi Linkens, der am Freitagabend die Eröffnungsansprache hielt, an ULi Muntenbeck (ja, das große „L“ ist richtig) für seine tollen Fotos, an Alexander und Felix für ihre tatkräftige Hilfe, an alle Unterstützer dieser Veranstaltungsreihe und natürlich an unsere ersten beiden Gäste: Niklas Frank und Michael Sulies. 

 

Die Lesung von Niklas Frank aus „Der Vater – Eine Abrechnung“ und „Meine deutsche Mutter“ verfolgten mehr als 160 Besucher, aus deren Reihen im Anschluss zahlreiche Fragen an den Autor, ehemaligen Journalisten des STERN und Auslandskorrespondenten gestellt wurden. Die sehr persönliche Aufarbeitung seiner Lebens- und Familiengeschichte weitete den Blick für angepasstes Verhalten in der nationalsozialistischen Diktatur. Als Generalgouverneur im vom Deutschen Reich im Zweiten Weltkrieg besetzten Polen nutzte Hans Frank seine Macht gnadenlos aus: Geknechtete, Ausgebeutete und Millionen Tote waren die Folgen. Mutter Brigitte genoss als „Königin von Polen“ die Annehmlichkeiten ihrer unangreifbaren Position. Niklas Frank stellte anhand seiner persönlichen Erfahrungen die Bedeutung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Freiheits- und Beteiligungsrechten usw. in den Mittelpunkt seiner Überlegungen, aber auch die notwendige Wachsamkeit der Gesellschaft, dies alles nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

 

Historiker Michael Sulies von der Georg-August-Universität zu Göttingen verdeutlichte am darauf folgenden Samstag in seinem Vortrag „Ideengeschichtliche Vorläufer des Nationalsozialismus“ faktenbasiert und auf neuester Forschungsgrundlage, dass sich die Nationalsozialisten aus einem Fundus von Theorien bedienten, deren Wurzeln im 19. Jahrhundert liegen: Rassismus, Sozialdarwinismus, Eugenik, Völkische Bewegung, Antisemitismus u. a. In der sich anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden die aktuellen Bezüge zu den derzeitigen Entwicklungen in Deutschland und Europa sehr deutlich. Der zeitlich gesteckte Rahmen von drei Stunden wurde dabei überschritten, ein Zeichen dafür, dass es offensichtlich eine Nachfrage nach einem Diskurs gibt. Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 haben aufschrecken lassen, sie zeigen eindringlich, dass es höchste Zeit ist, faktenbasiert zu diskutieren und die Gefahren, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit drohen, öffentlich zu diskutieren.

 

Die Fotos – Rechteinhaber ULi Muntenbeck, Herzogenrath – vermitteln einen guten Eindruck von den beiden Veranstaltungen.

 

Bei Rückfragen zum Vortragsthema, bittet Michael Sulies um Kontaktaufnahme:

Michael Sulies, Georg-August-Universität Göttingen, Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte,

Kulturwissenschaftliches Zentrum (Raum 1.710), Heinrich-Düker-Weg 14, 37073 Göttingen,

Tel.: 0551-39 21 252

 

Zur Vertiefung des Themas empfiehlt Michael Sulies folgende Literatur:

 

M. Becker, S. Bongartz (Hg.): Die weltanschaulichen Grundlagen des NS-Regimes. Münster 2011.

 

Peter E. Becker: Wege ins Dritte Reich. Zur Geschichte der Rassenhygiene, Stuttgart 1988. Wege ins Dritte Reich. Sozialdarwinismus, Rassismus, Antisemitismus u. völkischer Gedanke. Stuttgart 1990.

 

Wolfgang Benz (u.a.) (Hg.): Der Nationalsozialismus. Studien zur Ideologie und Herrschaft. Frankfurt am Main, 1993.

 

Clemens Vollnhals, Walter Schmitz (Hg.): Völkische Bewegung – Konservative Revolution – Nationalsozialismus. Aspekte einer politisierten Kultur. Dresden, 2005.

 

Beste Grüße vom Projektteam und nochmals Dank an alle, die das Projekt seit vielen Monaten begleiten und unterstützen. Die Gespräche mit Schulen, Gruppen, Institutionen usw. werden auch weiterhin fortgesetzt. Wer die Veranstaltungsreihe „Geschichte verstehen - Zukunft gestalten“ und die dahinter stehende Idee näher kennenlernen möchte, möge sich bitte melden; das Projektteam ist zeitlich flexibel und kann auch kurzfristige Termine in aller Regel wahrnehmen. 

 

Jana Blaney (Leiterin VHS Nordkreis Aachen)

Enno Schwanke (Historisches Institut der Universität zu Köln)

Heinz W. Kneip (Beratung)

Günter Pesler (Geschichtsverein Baesweiler e. V.)

 


Begrüßung durch Jana Blaney und Günter Pesler.

Bürgermeister Prof. Dr. Willi Linkens eröffnet in der Aula des Gymnasiums Baesweiler die Veranstaltungs-reihe „Geschichte verstehen - Zukunft gestalten“.

Günter Pesler im Gespräch mit dem Gast des Abends, Schriftsteller Niklas Frank. 

Lesung von Niklas Frank vor zahlreichen Gästen.

Niklas Frank bei der Beantwortung von einer der vielen Fragen.

Die Ausführungen von Niklas Frank fesseln das Publikum und führen zu einer kontroversen Diskussion.



Luther - Ketzer oder Heiliger, Rebell oder Fürstenknecht                                     Vortrag v. Pfarrer i. R. Paul Schnapp

21. September 2017, 19:00 Uhr



Tagesausflug nach Thorn und Stevensweert

Samstag, 2. September 2017

45 Teilnehmer begaben sich am frühen Samstagmorgen auf eine Tagesfahrt ins Limburgische. Der gemeinsam vom Geschichtsverein Baesweiler in Kooperation mit den Freunden vom Alsdorfer Geschichtsverein geplante Ausflug führte zunächst ins „weiße Städtchen Thorn“. Vermutlich gibt es keinen zweiten Ort, in dem sich im Verhältnis zur Gesamtzahl der Gebäude so viele denkmalgeschützte Objekte befinden: 105! Es ist jedoch keineswegs nur dieser statistische Wert, der beeindruckt, auch die mit Kieselsteinen aus der Maas gepflasterte Altstadt, die hervorragend erhaltenen weiß getünchten Häuser und die die Szenerie beherrschende frühere Abtei- und heutige Pfarrkirche geben dem Ort ein wunderbar pittoreskes Flair. Eingebettet in die sattgrüne limburgische Landschaft hätte sich dieses Bild auch ein niederländischer Landschaftsmaler nicht schöner ausdenken können. 

 

Nach einer kurzen Stärkung zu Beginn und einem einführenden ca. 20-minütigen Film über die Geschichte Thorns teilte sich die Reisegruppe, um die ehemalige Abteikirche zu besichtigen. Catharina Scholtens und Tony Joosen nahmen mit auf eine Reise von ihrer Gründung im 10. Jahrhundert als Benektinerinnenstift über die Umwandlung in ein freiweltliches Damenstift - aus dem später das Reichsstift Thorn werden sollte - im Laufe des 12. Jahrhunderts bis zum Einmarsch der französischen Truppen im Jahre 1794, der die weibliche Herrschaft über Thorn beendete. In das Damenstift, welches die Geschicke Thorns über all die Jahrhunderte bestimmte, konnten ausschließlich unverheiratete Frauen aus dem Hochadel eintreten. Sie und die jeweils leitenden Fürstäbtissinen nutzten ihre Möglichkeiten gut, denn das ehemalige „Land von Thorn“ entwickelte sich zu einem lebenswerten Stück Erde, Ausdruck des Reichtums ist noch heute die Pfarrkirche, die während des Barock eine üppige Innenausstattung erhalten hat. Diese Pracht breitete sich vor den Besuchern aus, doch sie muss auch gedeutet werden können, wofür Catharina Scholtens und Tony Joosen in ihren jeweiligen Gruppen mit ihren Fachkenntnissen sorgten.

 

Deutungen waren auch außerhalb des Kirchengebäudes notwendig, denn wer hätte schon gewusst, dass das Durchschreiten eines Torbogens für die Menschen in jener Zeit von elementarer Bedeutung gewesen ist. Das sogenannte Immunitätstor bedeutete Schutz vor Strafverfolgung, wer es durchschritt befand sich innerhalb der kirchlichen Obhut; im heutigen Sprachgebrauch würde von Kirchenasyl gesprochen werden.

 

Zusammengefasst: Die kluge Politik des Damenstifts machte Thorn und die Umgebung wohlhabend, sogar das Recht zur Münzprägung stand dem kleinen Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zeitweilig zu, auch wenn dieses Recht von der Fürstäbtissin durch die Fälschung eines Dokuments erschlichen worden ist. Das Land von Thorn war aber auch ein friedlicher Ort, denn unter der Leitung des Damenstifts ging von diesem Gebiet niemals eine kriegerische Handlung aus, wahrlich ungewöhnlich für die rauen Zeiten vergangener Jahrhunderte.

  

Dem Besucher fallen neben der prachtvollen und monumentalen Pfarrkirche sofort die Straßenzüge mit ihren nahezu ausschließlich weiß getünchten Häusern auf. Die Franzosen brachten nicht nur das Ende für das Fürstentum, auch für die farbliche Einheitlichkeit der Gebäude tragen sie die Verantwortung. Um die von ihnen eingeführte Fenstersteuer zu minimieren, sahen sich die Bewohner veranlasst, die Zahl der Fenster an der Vorderseite ihrer Häuser zu reduzieren, denn nur für diese Seite wurde die Steuer erhoben. Die Steine, die sie dazu verwendeten, mussten sie übertünchen, um ihre unterschiedlichen Größen zu verdecken, und dazu nutzten die Eigentümer weißen Kalk. 

 

Nach einem niederländischen Lunch konnte sich die Reisegruppe während einer ca. 1 ½-stündigen Schifffahrt auf der Maas bei herrlichem Sommer-wetter entspannen. Das Wassersportgebiet Maasplassen präsentierte sich in Bestform: Permanent schwirrten Segelboote um das Schiff herum und zahlreiche Angler hielten ihre Ruten unbeirrt ins Wasser. Trotz des Trubels schienen alle maritimen Beteiligten die Lage jederzeit im Griff zu haben, es erweckte jedenfalls niemand den Eindruck einer besonderen Hektik. In der Zwischenzeit wurde an Deck die Zeit mit Plauderei, dem einen oder anderen kühlen Getränk sowie der herrlichen Aussicht verkürzt, so dass das Ziel, das kleine Festungsstädtchen Stevensweert, bald erreicht war.

 

Als die Vereinigten Niederlande sich im Achtzigjährigen Krieg in einem zähen Ringen ihre Unabhängigkeit von der spanischen Krone erkämpften, wurde Stevensweert zur Festung ausgebaut. Damals allerdings, im 17. Jahrhundert, war der Ort noch in der Hand der Spanier gewesen. Sie sahen sich zur Befestigung gezwungen, da eine Blockade drohte, denn 1632 hatte Friedrich Heinrich von Oranien mit seinen Truppen sämtliche umliegenden Orte erobert. Im Westfälischen Frieden - er beendete sowohl den Dreißig-jährigen als auch den Achtzigjährigen Krieg - blieb Stevensweert zwar zunächst spanisch, konnte aber später im Spanischen Erbfolgekrieg dann doch von den inzwischen unabhängigen Niederländern eingenommen werden. Die ehemals sternförmige Festungsanlage ist zwar heute nur noch in Ansätzen erkennbar, da sie im 19. Jahrhundert geschleift und die Festungswälle nur teilweise wieder restauriert worden sind, allerdings entsprechen die Straßenzüge des Ortes der ehemaligen sternförmigen Anlage. Um dies zu erkennen, bedurfte es allerdings der sachkundigen und engagierten Unterstützung von Tony Joosen, der auf die Gässchen und Sträßchen aufmerksam machte. Ohne ihn wären wohl die meisten Teilneh-mer achtlos daran vorbeigelaufen, da sie, eingebettet in Häuser und Gärten, für den ungeübten Blick kaum wahrzunehmen sind.

 

Nach einer erholsamen Pause in einer Außengastronomie - das Wetter meinte es ausgesprochen gut mit den Alsdorfern und Baesweilern - wurde die Heimfahrt angetreten. In Baesweiler angekommen, neigte sich ein Tag seinem Ende entgegen, der zahlreiche Eindrücke hinterließ und die Gewissheit, ein schönes und geschichtsträchtiges Stückchen Erde gesehen zu haben und an einem sonnigen Tag mit freundlichen und dem Leben zugewandten Menschen unterwegs gewesen zu sein.

Thorn. die weiße Stadt.

Ausdruck ehem. Reichtums: die Pfarrkirche.

Warum nur sind die Häuser weiß getüncht? Hier das Rathaus.

Das Immunitätstor brachte Schutz vor Strafvollstreckung.

Festungswälle in Stevensweert.

Unterwegs auf der Maas.



Luther und das Judentum - Vortrag von Günter Pesler

29. August 2017, 19:00 Uhr


Sowjetische Kriegsgefangene in Baesweiler - Vortrag von Günter Pesler

1. Juni 2017, 19:00 Uhr, „Zur alten Schmiede“, Aachener Straße 240, 52499 Baesweiler

Die Funktionalität der Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschland konnte während des Zweiten Weltkriegs nur durch Zwangsarbeit im großen Stil aufrechterhalten werden. Eine Vielzahl von Lagern in den ehemaligen Landkreisen Aachen und Geilenkirchen zu jener Zeit belegt, wie sehr Zwangsarbeit zur alltäglichen Lebenswelt der Menschen in den Städten und Gemeinden auch in der hiesigen Region gehörte. Betroffen waren viele Gruppen, der Schwerpunkt des Vortragsabends liegt jedoch bei den russischen Kriegsgefangenen. Mit mehr als 5 Millionen ist allein ihre Anzahl überwältigend und diejenigen von ihnen, die Zwangsarbeit in Deutschland leisten mussten, fristeten ihr Dasein unter ganz besonders unmenschlichen Bedingungen, die sie von anderen Kriegsgefangenen unterschieden. Beispielsweise wurden sie gezielt eingesetzt in Bereichen, in denen körperlich harte, gesundheitsschädliche und gefährliche Arbeit geleistet werden musste, so auch auf der Zeche Carl-Alexander in Baesweiler im ehemaligen Aachener Steinkohlenrevier. Mit ihrem „Arbeitseinsatz“ stellen sich eine ganze Reihe von Fragen: War er überhaupt zulässig im Rahmen des Völkerrechts? Warum galten für russische Kriegsgefangene besondere Vorschriften und welche waren es im Einzelnen? Wie erfolgte ihre Verteilung und wie waren ihre Lebensbedingungen? Hatten die Menschen in Baesweiler Kontakte zu den Russen und wenn ja, wie sahen diese aus? Der Referent wird den Leidensweg der russischen Soldaten von der Gefangennahme bis zu ihrer Verwendung als Zwangsarbeiter in Baesweiler nachzeichnen, wobei sich die damalige Situation im Ort u. a. auf Zeitzeugenaussagen stützt, die aus Interviews gewonnen werden konnten. 


2. Euregionaler Geschichtsmarkt in der Abtei Rolduc

23. April 2017, 11:00- 17:00 Uhr

Rückschau auf den 2. Euregionalen Geschichtsmarkt 

 

Von Günter Pesler

 

Der 2. Euregionale Geschichtsmarkt in der Abtei Rolduc war mehr als ein würdiger Nachfolger der Premierenveranstaltung im April 2015, dafür sprechen allein schon die statistischen Werte: 34 ausstellende Geschichtsvereine und Lokalhistoriker (2015: 26), sieben Vorträge und mehr als 1.100 Besucher (2015: ca. 1.000). Allein die stattliche Besucherzahl ist zwar ein zweifelsfreier Beleg für das Interesse der Öffentlichkeit an einer derartigen Veranstaltung, dennoch ist ein solches Treffen lokal- und regionalhistorischer Experten aus der Grenzregion mehr als nur die Aneinanderreihung von reinen Zahlenwerten. Neben der Präsentation von Forschungs- und Arbeitsergebnissen und der Gewinnung neuer Mitstreiter zur Aufarbeitung der lokalen und regionalen Geschichte ist Ziel einer solchen Veranstaltung stets auch die Herstellung, Erneuerung und Verfestigung von Kontakten. In zahlreichen Gesprächen und Rückmeldungen wurde hier viel Zufriedenstellendes berichtet. Angesichts dessen gibt es bereits die ersten Interessensbekundungen zur Teilnahme an einem 3. Euregionalen Geschichtsmarkt. Das Organisationsteam freut sich sehr über diese positive Resonanz seitens der Geschichtsvereine in der Grenzregion und hat deshalb bereits die Planungen für eine weitere Neuauflage im Jahre 2019 im Auge. Aber noch ist es nicht so weit und deshalb zunächst ein Rückblick auf den 23. April mit einem besonderen Augenmerk auf die Beiträge des Geschichtsvereins Baesweiler zu dieser grenzüberschreitenden Veranstaltung.

 

Vorstand und Organisationsteam hatten bereits zu Beginn der Planungsphase die Vorstellung, dass der Geschichtsverein Baesweiler in diesem Jahr stärker als bei der Erstauflage präsent sein soll. Dieser Zielsetzung folgend boten sich aus den Reihen des Vorstands Dr. Ulrich Schroeder und Alexander Plum an, eigene Ausstellungen zu präsentieren. Dazu gesellte sich Dietmar Petschel, der gemeinsam mit seinem Kollegen Jürgen Brockauf aus dem Arbeitskreis Archiv das Modell der ehemaligen Baesweiler Zeche Carl-Alexander ausstellte. Das Angebot komplettierte der Arbeitskreis Familienforschung, der mit zwei Schwerpunkten in der Abtei Rolduc vertreten war. So stellte Thomas Froitzheim das von ihm entwickelte Genealogie-Programm „Genius“ vor, mit dem die Besucher die Möglichkeit hatten, Auskünfte zu ihren Vorfahren zu erhalten. Dabei konnten sie einen umfangreichen Datenpool nutzen, der sich aus Quellen speist, die bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zurückreichen. Interessierten wurde damit nicht nur eine komfortable Recherche ermöglicht, der überörtliche Datenbestand erhöhte die Aussicht auf eine erfolgreiche Suche in der Vergangenheit beträchtlich.

 

Der Arbeitskreis Familienforschung hatte darüber hinaus eine Ausstellung vorbereitet, die sich mit dem Thema Migration befasst: „Auswanderer aus Baesweiler nach Glen Ullin/Nord Dakota (USA)“. Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wagten viele Millionen Menschen aus Deutschland den Sprung über den großen Teich. Wie der Name der vom Genealogen Werner Offergeld konzipierten Ausstellung schon sagt, waren damals auch Baesweiler Bürger Teil der großen Auswanderungswellen, der sich Menschen aus vielen Regionen Deutschlands anschlossen, um in den Vereinigten Staaten eine neue Lebensperspektive zu erhalten.

 

Dr. Ulrich Schroeder entführte zwar nicht über den großen Teich, sondern über den doch recht überschaubaren Ärmelkanal, was jedoch der Faszination seiner Ausstellung in keiner Weise schadete: „Als es die Fotografie noch nicht gab - Stadt und Grafschaft Durham auf alten Grafiken“. Sie hat ihren Ursprung in mehreren Aufenthalten des ehemaligen Gymnasiallehrers in der früheren Partnerstadt Baesweilers „Easington-District“. Neben beeindruckenden Bildern der Stadt, ihrer imposanten Kathedrale und von der Umgebung mit ihren vom Bergbau geprägten Orten bot die Ausstellung eine zweite interessante Ebene, denn Dr. Schroeder informierte die Besucher unter Nutzung der Darstellung der verschiedenen Drucktechniken auch über die rasant zunehmende Geschwindigkeit der Wissensvermittlung ab dem 15. Jahrhundert. 

 

Örtlich betrachtet war eine gedanklich umfangreichere Ortsveränderung für Alexander Plum, Vorstandsmitglied und ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger beim Landschafts-verband Rheinland, sowie für die Betrachter seiner Exponate nicht notwendig. Er präsentierte aus der hiesigen Region eine reichhaltige Auswahl an Lesefunden aus unterschiedlichen Epochen: Bandkeramik, Eisenzeit, Römer, Hochmittelalter, Neuzeit. In zahlreichen Gesprächen ergab sich zudem die Gelegenheit, aus seiner umfangreichen archäologischen Arbeit zu berichten: Feldbegehungen, Baustellenbeobachtungen, Ausgrabungen, Betreuung von Bodendenkmälern, Ausbildung und Schulungen sowie Öffentlichkeitsarbeit zeigen die gesamte Bandbreite an Tätigkeiten, die Alexander Plum als ehrenamtlicher Archäologe leistet.

 

Dietmar Petschel und Jürgen Brockauf hingegen konzentrieren sich mit dem Nachbau der ehemaligen Baesweiler Zeche Carl-Alexander schon seit vielen Jahren auf einen wesentlichen Aspekt der Geschichte Baesweilers. Mit einem Teil der bereits erbauten Module waren sie auch in der Abtei Rolduc Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher. Gerne gaben sie Auskunft zur Idee, Planung und zum Bau der Anlage und sahen dabei nicht selten in erstaunte Gesichter, wenn sie über ihre akribische Arbeit und den damit verbundenen zeitlichen Aufwand berichteten. Allein die bis jetzt investierten 5.000 Arbeitsstunden wirken schon sehr beeindruckend, die Detailtreue der einzelnen Nachbauten allerdings nicht weniger: Kesselhaus, Holzplatz, Fördermaschinenhaus, Fördergerüst, Kohlenwäsche, Beleuchtung usw. scheinen dem alten Baesweiler Steinkohlenbergwerk Leben einzuhauchen. 

 

Der Geschichtsverein Baesweiler hat sich mit dem Engagement seiner ausstellenden Vereinsmitglieder eingereiht in die zahlreichen Teilnehmer des 2. Euregionalen Geschichtsmarktes. Geschichtsvereine, Aussteller und Referenten haben nach der ersten Veranstaltung dieser Art im Jahre 2015 nun erneut ihre Leistungsfähigkeit bewiesen und gezeigt, wie facettenreich lokale und regionale Geschichte ist. Das Organisationsteam - Stichting Eurode 2000+ und der Geschichtsverein Baesweiler e. V. - möchte sich deshalb bei allen bedanken, die zum Gelingen des 2. Euregionalen Geschichtsmarktes beigetragen haben, denn ohne das Engagement aller Beteiligten wäre eine solch beeindruckende Leistungsschau nicht möglich gewesen. 


Jahreshauptversammlung 2017

16. März 2017


„Baesweiler und Montesson im Ersten Weltkrieg“ - Ausstellung und Publikation

10. - 31. März 2017


„Friedrich II. als Kreuzfahrer“ - Vortrag v. Prof. Max Kerner

16. Februar 2017

Der ehemalige Lehrstuhlinhaber für Mittlere Geschichte an der RWTH Aachen berichtete im Lokal „Zur alten Schmiede über die neuesten Erkenntnisse zu Friedrich II. (1194 - 1250). Neben dem Wirken des bereits zu Lebzeiten legendären Kaisers ging Prof. Kerner auch darauf ein, worin sich dieser von den vorausgegangenen Kreuzzügen unterschied. Dabei wurde deutlich, dass Friedrich II., der den Beinamen „Staunen der Welt“ (stupor mundi) trägt, diplomatische Lösungswege zur Beilegung von Konflikten zwischen Islam und Christentum suchte.