1. Themenwochenende „Geschichte verstehen – Zukunft gestalten“
(Freitag, 29.09. und Samstag 30.09.2017, Gymnasium Baesweiler)


Nun liegt das erste Themenwochenende (29./30. September) der Veranstaltungsreihe „Geschichte verstehen - Zukunft gestalten“ bereits hinter uns. Das Projektteam möchte sich bei allen Besuchern für Ihr Interesse bedanken. Dank auch an den Baesweiler Bürgermeister Dr. Willi Linkens, der am Freitagabend die Eröffnungs-ansprache hielt, an ULi Muntenbeck (ja, das große „L“ ist richtig) für seine tollen Fotos, an Alexander und Felix für ihre tatkräftige Hilfe, an alle Unterstützer dieser Veranstaltungsreihe und natürlich an unsere ersten beiden Gäste: Niklas Frank und Michael Sulies.
Die Lesung von Niklas Frank aus „Der Vater – Eine Abrechnung“ und „Meine deutsche Mutter“ verfolgten mehr als 160 Besucher, aus deren Reihen im Anschluss zahlreiche Fragen an den Autor, ehemaligen Journalisten des STERN und Auslandskorrespondenten gestellt worden sind. Die sehr persönliche Aufarbeitung seiner Lebens- und Familiengeschichte weitete den Blick für angepasstes Verhalten in der nationalsozialistischen Diktatur. Als Generalgouverneur im vom Deutschen Reich im Zweiten Weltkrieg besetzten Polen nutzte Hans Frank seine Macht gnadenlos aus: Geknechtete, Ausgebeutete und Millionen Tote waren die Folgen. Mutter Brigitte genoss als „Königin von Polen“ die Annehmlichkeiten ihrer unangreifbaren Position. Niklas Frank stellte anhand seiner persönlichen Erfahrungen die Bedeutung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Freiheits- und Beteiligungsrechten usw. in den Mittelpunkt seiner Überlegungen, aber auch die notwendige Wachsamkeit der Gesellschaft, dies nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.  
Historiker Michael Sulies von der Georg-August-Universität zu Göttingen verdeutlichte am darauf folgenden Samstag in seinem Vortrag „Ideengeschichtliche Vorläufer des Nationalsozialismus“ faktenbasiert und auf neuester Forschungsgrundlage, dass sich die Nationalsozialisten aus einem Fundus von Theorien bedienten, deren Wurzeln im 19. Jahrhundert liegen: Rassismus, Sozialdarwinismus, Eugenik, Völkische Bewegung, Antisemitismus u. a. In der sich anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden die aktuellen Bezüge zu den derzeitigen Entwicklungen in Deutschland und Europa sehr deutlich und kontrovers diskutiert. Der zeitlich gesteckte Rahmen von drei Stunden wurde dabei überschritten, ein Zeichen dafür, dass es offensichtlich eine Nachfrage nach einem Diskurs gibt. Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 haben aufschrecken lassen, sie zeigen eindringlich, dass es höchste Zeit ist, faktenbasiert zu diskutieren und die Gefahren, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit drohen, öffentlich zu diskutieren.
Die Fotos – Rechteinhaber ULi Muntenbeck, Herzogenrath – vermitteln einen guten Eindruck von den beiden Veranstaltungen, vielleicht inspirieren sie sogar zu einem Besuch des nächsten Veranstaltungswochenendes am 17. (19:00 Uhr) und 18. November 2017 (14:00 Uhr), jeweils in der Aula des Gymnasiums Baesweiler.
Bei Rückfragen zum Vortragsthema, bittet Michael Sulies um Kontaktaufnahme:
Michael Sulies
Georg-August-Universität Göttingen
Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte
Kulturwissenschaftliches Zentrum (Raum 1.710)
Heinrich-Düker-Weg 14
37073 Göttingen Tel.: 0551-39 21 252
Darüber hinaus empfiehlt er zur Vertiefung des Themas folgende Literatur:

Manuel Becker, Stephanie Bongartz (Hg.): Die weltanschaulichen Grundlagen des NS-Regimes. Münster 2011.
 
Peter Emil Becker: Wege ins Dritte Reich. Zur Geschichte der Rassenhygiene. Stuttgart, 1988.
Peter Emil Becker: Wege ins Dritte Reich. Sozialdarwinismus, Rassismus, Antisemitismus und völkischer Gedanke. Stuttgart, 1990.  

Wolfgang Benz (u.a.) (Hg.): Der Nationalsozialismus. Studien zur Ideologie und Herrschaft. Frankfurt am Main, 1993.  
Clemens Vollnhals, Walter Schmitz (Hg.): Völkische Bewegung – Konservative Revolution – Nationalsozialismus. Aspekte einer politisierten Kultur. Dresden, 2005.
Volker Weiß:  
Beste Grüße vom Projektteam und nochmals Dank an alle, die das Projekt seit vielen Monaten begleiten und unterstützen. Die Gespräche mit Schulen, Gruppen, Institutionen usw. werden auch weiterhin fortgesetzt. Wer die Veranstaltungsreihe „Geschichte verstehen - Zukunft gestalten“ und die dahinter stehende Idee näher kennenlernen möchte, möge sich bitte melden; das Projektteam ist zeitlich flexibel und kann auch kurzfristige Termine in aller Regel wahrnehmen.

Jana Blaney (Leiterin VHS Nordkreis Aachen)
Enno Schwanke (Historisches Institut der Universität zu Köln)
Heinz W. Kneip (Beratung)
Günter Pesler (Geschichtsverein Baesweiler e. V.)



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