Tagestour zur Wewelsburg
(Samstag, 5. November 2016)

37 Mitglieder des Geschichtsvereins Baesweiler und des Geschichtskreises St. Sebastian Würselen machten sich schon zu früher Stunde auf den Weg quer durch Nordrhein-Westfalen, um bei Paderborn eine geheimnisumwitterte Stätte zu erkunden, die Wewelsburg. Erbaut Anfang des 17. Jahrhunderts als Sommerresidenz des Paderborner Fürstbischofs, erlangte sie im „Dritten Reich“ traurige Berühmtheit als Schule und Versammlungsort von Himmlers SS.
Nach knapp dreistündiger Fahrt, währenddessen zur Einstimmung im Rahmen eines Kurzvortrags die Geschichte der Wewelsburg unter nationalsozialistischer Herrschaft dargestellt wurde, begann die erste Führung durch die „Erinnerungs- und Gedenkstätte“ Wewelsburg. Zunächst wurde die Entwicklung der „Baustelle“ Wewelsburg in der Nazi-Zeit beleuchtet, wobei die Hauptakteure des Geschehens, die verschiedenen SS-Chargen, und der Wandel in der Funktion des Ortes vorgestellt wurden. Die gigantomanischen Ausbaupläne verdeutlichen, wie wenig sich die nationalsozialistischen Machthaber um die Menschen des Dorfes Wewelsburg kümmerten. Dieses sollte nämlich beseitigt und die Menschen umgesiedelt werden. Dass es dazu nicht gekommen ist, war letztlich mehr den kriegsbedingten Einschränkungen zu verdanken und weniger dem Willen der SS. Ein weiterer Schwerpunkt der Präsentation waren Gegenstände des SS-Kultes, für die man eine Form der Darstellung gefunden hatte, die es den Ewig-Gestrigen, die wohl einen großen Teil der Besucher ausmachen, schwer machen soll, sie in unkritischer Weise oder sogar in Form eines Selfies abzulichten. Die kompetent und mit einer Vielzahl an Informationen vorgetragene Führung räumte insbesondere mit zahlreichen Legenden rund um die SS-Symbolik auf. Letztlich trug sie zu einem großen Teil nur zur eigenen Selbstvergewisserung bei, wobei die zahlreichen dazu genutzten Zeichen und Geschichten eher den Ideen von Werbestrategen entsprungen sind, als dass sie auf den von der SS vielbeschworenen Germanenkult zurückzuführen wären.
In der nächsten Abteilung, gewidmet dem KZ Niederhagen, einer Außenstelle von Sachsenhausen, wurde die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus offenbar, die – wenn auch bis heute immer wieder bestritten – bis in die lokale Ebene hinein spürbar und vor allem sichtbar war. Die Gefangenen, die hier ab 1939 schufteten und gequält wurden, mussten im Steinbruch unterhalb der Burg das Material für den Um- und Ausbau der SS-Stätte aus der Erde holen. Es waren vorwiegend „Bibelforscher“ (Zeugen Jehovas) zur Zwangsarbeit eingesetzt, aber auch eine große Zahl von sowjetischen Kriegsgefangenen. Das Lager hatte auch ein Krematorium, denn die Nazis pflegten die Spuren ihrer Brutalität, die Toten, restlos zu beseitigen. Den Schluss des Rundgangs bildete der Besuch des Nordturms, in dem repräsentative Räume wie die sog. „Gruft“, ein Kellerraum wahrscheinlich für Totenehrungen der verstorbenen SS-Führer, und der „Saal der SS-Obergruppenführer“ mit der „Schwarzen Sonne“, einem Bodenmosaik, zu besichtigen, aber nicht zu fotografieren waren. Die Verwunderung der Gäste darüber wurde mit dem Verhalten von Neonazis begründet, die dieses Ambiente gerne für Fotos mit Hitlergruß und anderen Posen nutzen würden.
Nach der Mittagspause mit Imbiss stand der Besuch des historischen Museums an, in dem der Schwerpunkt auf der Darstellung der Alltagsgeschichte in vergangenen Jahrhunderten liegt. Thematisiert wurden u. a. die unhygienischen Zustände nicht nur in den Gefängnisräumen, sondern auch bei den hochgestellten Herrschaften. Daneben veranschaulichten die hochwertigen Exponate ein sehr plastisches Bild der vorindustriellen Epoche, was auch den jugendlichen Teilnehmern der Fahrt offensichtlich Spaß bereitete. Nach den bedrückenden Impressionen der „Gedenkstätte“ endete die Exkursion also mit eher heiteren Eindrücken, obwohl auch bei der zweiten Führung das Thema „Hexenverfolgung“ für Gänsehaut sorgte.
Während der Heimfahrt durch die frühe Dunkelheit wurden noch einmal Eindrücke von der Wewelsburg ausgetauscht. Ein Vortrag von einigen Abschnitten aus dem Krimi „Im Sog der dunklen Mächte“ von Philipp Kerr rief den Zuhörern im Bus die Zeit des Pogroms von 1938 in Erinnerung. Der Autor lässt einige fiktive Vorgänge kurz vor dem Pogrom auf der Wewelsburg spielen, was zwar nicht der Faktizität, aber dem Genius Loci, dem (Un-)Geist des Ortes entspricht. Als der Bus um 20 Uhr in Baesweiler hielt, waren 13 erlebnisreiche, aber nicht ermüdende Stunden vergangen.